10/04/2019

It is all about data

auf der diesjährigen Digital Cargo Conference der IATA in Genf ging es um ein wesentliches Thema: Wie können an der Supply-Chain beteiligte Unternehmen den Begriff Digitalisierung mit Leben füllen? Eine wichtige Frage, die die Air Cargo Community mit ihren Kompetenzteams schon seit einiger Zeit beantworten möchte. Maßgebliche Expertise in die Community trägt Bernhard Leßmann (Fraport). Er war in Genf und schildert im Interview seine Eindrücke.

Bernhard Leßmann

Was haben Sie aus der Schweiz mitgebracht?

Eine Erkenntnis: Nahezu alle international an der Luftfracht-Supply Chain beteiligten Unternehmen erachten die Digitalisierung der Prozesse als essentiell – in den eigenen Reihen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dieses Credo teilen wir am Standort Frankfurt in der Air Cargo Community. Auf der IATA-Konferenz stand die Transparenz von Datenströmen im Fokus. Ein wesentliches Element in deren Steuerung ist für den Luftfahrverband das Projekt ONE Record: die Etablierung eines Standards, wie der digitale Zwilling einer physischen Sendung aufgebaut werden soll, welche Rollen dabei mit welchen Rechten und Pflichten ausgestattet werden sollen und wie die Dateneigner und Nutzer je Rolle  über die Stakeholder – vom Versender bis zum Empfänger – die Daten einer Sendung teilen sollen.

Warum ist das Thema Daten so wichtig?

Wir arbeiten heute noch mit Standards aus den achtziger Jahren. Viele Akteure sind an einer Sendung beteiligt. Sie alle produzieren viele kleine Datenpakete, die sie der Ware anhängen. De facto treffen heute noch meistens Informationen und Frachtsendungen zum selben Zeitpunkt am Flughafen ein. Die Datenpakete durchlaufen als Nachrichten die klassische Kette von A nach B, B nach C, C nach D.

Davon müssen wir wegkommen. Auf der Air Cargo Conference unserer Community habe ich es mit einem Rubik´s-Cube verglichen. Da ist alles miteinander verwoben, kann durch Drehen geordnet werden. Wir müssen für die Beteiligten einen einheitlichen Datensatz aufbauen, an dem sie für alle sichtbar drehen können, der aber seine Stabilität nicht verliert.

Was sind die Vorteile für an der Supply Chain beteiligte Unternehmen?

Wenn wir es schaffen, die Daten für eine Sendung zum Beginn des Prozesses in einen – natürlich digitalen – Umschlag zu packen, der alle Informationen enthält, erreichen wir vor allem folgendes: Transparenz und Sichtbarkeit. Alle beteiligten Unternehmen können mit den für sie erheblichen Daten arbeiten, sie teilen. Der Clou dabei: Das digitale Öffnen des Umschlags und die Bearbeitung seines Inhalts durch die berechtigten Partnern in der Supply Chain werden automatisch dokumentiert und in Echtzeit zur Verfügung gestellt. Alle arbeiten auf demselben Informationslevel. Nimmt zum Beispiel die Airline Veränderungen an den Daten vor, muss und kann der Ground-Handler am Zielort diese Veränderungen umgehend sehen.

Auch vertrauliche Informationen können gesondert verpackt/ verschlüsselt (z.B. Block Chain) und zielgenau vom Berechtigten (Behörde zu Behörde) verwendet werden.

Was sind die Voraussetzungen?

Es braucht vor allem das Verständnis der beteiligten Unternehmen, dass wir ohne den Mut zur Digitalisierung perspektivisch an Innovationskraft und letztlich den wirtschaftlichen Anschluss verlieren. Wir partizipieren an einer shared economy, es gibt nicht mehr nur eine klassische Supply Chain. Ich denke da vor allem an Integratoren. Da ist der Groschen schon lange gefallen. Dort gibt es „One Record“ von Anfang an. Jetzt müssen wir unsere Projekterkenntnisse umsetzen. IT-technisch haben wir schon sehr viel Know-how. Wir werden die Anbindung über Schnittstellen an die Frankfurter IT-Plattform Fair@Link in der nächsten Zeit forcieren.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Die Vision von ONE Record ist ein digitales globales Netzwerk. Die IATA geht mit dem Projekt in die richtige Richtung. In der Air Cargo Community gehört der Gedanke, Digitalisierung am Standort Frankfurt in gemeinsamen Projekten voranzutreiben untrennbar zur DNS. Bestes Beispiel ist das Rampensteuerung-System bei den Ground-Handlern oder die Etablierung von Fair@Link. Daher sind wir für die Impulse der IATA offen. Mit unserem Projekt „Importplattform für Perishables und Tiertransporte“ haben wir schon 2017 den „One Record-Gedanken“ entwickelt. Wir eröffnen ein gemeinsames Testfeld und laden die Community-Mitglieder ein, aktiv werden.